Björn Klauer berichtet über seine Erfahrungen mit dem Fotografieren im Winter:
Ich fotografiere nur mit Diafilmen, da ich die
Bilder für Diaprojektionen benutzen will. Auch für die Veröffentlichung
in Printmedien eignen sich nur Diafilme. Meine Erfahrungen sind also recht einseitig. Das möchte ich vorausschicken.
Licht
Prinzipiell gibt es bei uns viel Licht, da der Schnee das Sonnenlicht reflektiert.
In den Monaten Dezember/ Januar aber – also in der Zeit der Polarnacht – ist die Helligkeitsphase jedoch nur kurz. Hier empfehlen sich Filme mit einer höheren Lichtempfindlichkeit, z.B. 200 ASA. Sobald die Sonne scheint, komme ich gut mit 50 ASA aus.
Das ist natürlich sehr abhängig von der Lichtstärke der Objektive und dem Gebrauchsziel. Möchte man Dias stark vergrößern, geht die Tendenz eher zu feinkörnigen und unempfindlichen Filmen. Möchte man Papierabzüge in Normalgröße von einem Farbnegativfilm, reicht die Feinkörnigkeit eines 100 ASA-Films aus.
Sehr schwierig ist das Nordlicht auf Film zu bannen. Hier empfiehlt sich ein Stativ oder eine andere feste Auflage (z.B. Stein oder Rücksack), 200 ASA, Belichtungszeiten von 10 bis 45 Sekunden bei offener Blende, ein lichtstarkes Objektiv, viel Geduld und noch mehr Filmmaterial.
Sobald die Sonne auf den Schnee brennt, haben wir es mit extremer Helligkeit zu tun, die normalerweise weit von einem durchschnittlichen Grauwert entfernt ist. Bei Aufnahmen mit großen, sonnenbeschienenen Schneeflächen empfehlen viele Fotoapparate eine zu kurze Belichtungszeit, bzw. eine zu kleine Blende. Ergebnis: Die Fotos werden unterbelichtet.
Abhilfe schafft hier das Messen des reflektierten
Lichtes einer Graukarte oder einfach einer unbehandschuhten und normal
sauberen Hand. So erhält man einen guten Ausgangswert.
Verschiedene Fotoapparate reagieren auf blendend weißen Schnee
unterschiedlich. Hier hilft nur eins: Mit verschiedenen
Belichtungszeiten und Blenden fotografieren.
Bei sehr viel Licht im April muss ich die Blende meiner Canon bis zu drei Blenden weiter öffnen als angegeben. Bei gleichen Lichtverhältnissen reicht bei anderen Kameras eine halbe Blende als Zugabe.
Kälte
Tiefe Temperaturen legen zuerst die elektronischen Kameras lahm, zuletzt die rein mechanischen. Bei -25 Grad Kameratemperatur steigt auch das letzte – mir bekannte – Flüssigkeits-Display aus.
Der vorläufige Tod jeder Kamera ist der Wechsel zwischen kalt und warm. Nimmt man eine kalte Kamera mit in die Wärme der Hütte, läuft sie zunächst an, und wenig später trieft sie vor Nässe. Gelingt es jetzt nicht, auch das letzte Tröpfchen Wasser von der Platine und dem Verschluss zu trocknen, hat es sich ausfotografiert – Kamera fertig!
Deswegen: Möglichst die Kamera auf dem Schlitten lassen und nicht mit in die Hütte nehmen. Solange sie keine Wärme abbekommt, gibt es auch keine Feuchtigkeit. Kalte Luft ist trocken.
Möchte man den Fotoapparat mit in die Hütte nehmen, wird er draußen in einen absolut dichten Plastikbeutel verpackt und dann mit in die Hütte genommen. Aus dem Plastikbeutel wird er erst genommen, wenn dieser zu 100% die gleiche Temperatur erreicht hat wie der Raum. Dabei spielt die äußere Temperatur der Kamera keine Rolle. Auf die Kerntemperatur kommt es an! Wenn man sie dann aus dem Beutel nimmt, läuft sie bei völlig angeglichener Temperatur nicht mehr an. Ist der Apparat jedoch einmal beschlagen, muss er zu 100% ausgetrocknet werden.
Am Körper
Recht praktisch sind die kleinen Kompakt-Kameras. Die kann man am Körper warm halten und nur zum Fotografieren schnell herausnehmen. Selbst bei großer Kälte reicht es meist für ein Foto, bis der Frost sie lahmlegt. Dann muss man sie am Körper wieder auftauen. Sie haben leider oft den Nachteil einer geringeren Bildqualität im Verhältnis zu besseren Spiegelreflexobjektiven.
Fett
Manchmal gibt es Probleme mit dem Fett, das einzelne mechanische Teile der Kamera schmiert. Es kann in der Kälte zu hart und steif werden. Behindert das Fett den Verschluss bei seiner exakten Arbeit, ist natürlich kein richtig belichtetes Foto mehr möglich.
Bevor man das Zoom mit der Rohrzange bearbeitet, sollte man sich die Feinmechanik eines Objektives vor Augen halten. Schiebe-Zooms können schon bei leichter Gewaltanwendung den Geist aufgeben. Finanzstarke Profis lassen das Fett aus ihrem Apparat auswaschen und mit Graphit schmieren. Leica bietet z.B. so etwas an.
Für den normalen Gebrauch muss dann allerdings das Graphit wieder mit herkömmlichen Fett ausgetauscht werden. Bei hochwertigen, mechanischen Standard-Spiegelreflexkameras von Canon oder Nikon sollte es aber bis zu -35° keine Probleme geben. Zur Not muss man den Spiegel manuell hochklappen.








